Am Westufer von Luxor in Ägypten begannen Archäologen im Herbst 2020 mit der Suche nach einem Totentempel. Allerdings stießen die Forscher dabei auf mehr, als sie erwartet hatten. Unter der Leitung des Ägyptologen Zahi Hawass gab das Team im Frühjahr 2021 bekannt, Ägyptens „verlorene Goldene Stadt“ gefunden zu haben – eine 3.000 Jahre alte Siedlung namens Aton. Es ist ein Fund, der so bedeutend ist, dass er mit der Entdeckung des Grabes von Pharao Tutanchamun vor fast 100 Jahren verglichen wird. Aufgrund ihres überaus guten Zustandes und die Tatsache, dass sie so übereilt aufgegeben wurde, gilt die antike Ruinenstadt inzwischen auch als das „Pompeji Ägyptens“. Hier machen wir eine virtuelle Tour durch das, was bisher freigelegt wurde …
Aton ist die größte altägyptische Stadt, die jemals gefunden wurde. Sie geht auf die Regierungszeit von Amenophis III. zurück, der zwischen 1391 und 1353 v. Chr. über Ägypten herrschte, und war Teil eines großen Palastkomplexes, der für den Pharao gebaut wurde.
Das Beeindruckendste an dem archäologischen Fund ist der erstaunlich gute Zustand. So wurde bereits ein ganzes Wohngebiet freigelegt, dessen Häuser drei Meter hohe Mauern aus Lehmziegeln hatten. Diese tragen das Siegel von Pharao Amenophis III., wodurch die Datierung der Stadt möglich war.
Die Herrschaft von Amenophis III. gilt als die Blütezeit des ägyptischen Reiches, in der zahlreiche Tempel und prächtige Gebäude errichtet wurden. Die Entdeckung von Aton könnte einen Einblick in das Leben zu dieser wohlhabenden Zeit geben. Hier im Bild ist der Leiter der Ausgrabungen, Ägyptologe Zahi Hawass, zwischen den Ruinen zu sehen.
Archäologen entdeckten unter anderem einen Topf mit einer Inschrift, die sie auf das Jahr 1337 v. Chr. datierten. Es wird angenommen, dass die Stadt ein Jahr nach der Herstellung des Gefäßes in aller Eile aufgegeben wurde. Im Norden des Landes entstand damals die neue Hauptstadt Amarna und Aton wurde plötzlich unbedeutend.
Die Ausgrabungsstätte war so übersät mit alten Gegenständen und Artefakten, dass es fast wirkte, als sei die Stadt erst gestern verlassen worden. Zu den Fundstücken zählen Schmuck, Keramiken, Statuetten und Tonkappen von Weingefäßen sowie eine Reihe von Werkzeugen zum Weben, Spinnen und Glasblasen.
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Unter den Ruinen identifizierten die Forscherinnen und Forscher unterschiedliche Stadtviertel. So stießen sie etwa auf eine Bäckerei, ein Verwaltungsviertel und Wohngebiete. Außerdem kamen bisher drei Paläste zum Vorschein.
In der Bäckerei war der Backbereich noch gut erhalten – inklusive Backöfen, Besteck und Töpfen wie diesem. In den Öfen konnten sogar noch die Überreste von Brot identifiziert werden. Die Größe des Gebäudes sowie die Fundstücke darin deuten darauf hin, dass für eine große Anzahl an Menschen gebacken wurde.
Archäologe zu sein ist jedoch alles andere als glamourös. Unter den abstoßenderen Funden befand sich ein 3.400 Jahre alter Behälter, der mit vermutlich getrocknetem oder gekochtem Fleisch gefüllt war. Ein mit Gold bedeckter Fisch (im Bild) wurde ebenfalls entdeckt.
Menschliche Überreste zu finden, ist bei solchen Ausgrabungen nichts Ungewöhnliches, doch ein Fund verwirrte Archäologen. Die Forscher stießen auf ein Skelett mit ausgestreckten Armen, um dessen Knie ein Seil gebunden war. In einer Mitteilung bezeichneten die Experten den Fund als „eher seltsam“, es folgen weitere Untersuchungen.
Neben dem besonderen Skelett wurde auch ein großer Friedhof ausgegraben, dessen Gräber denen im Tal der Könige ähneln. Der Fund muss nun genau erforscht werden. Weitere Ausgrabungen sind nötig, um die Bedeutung des Friedhofs zu verstehen.
Nachdem Aton aufgegeben wurde, wurde die Stadt, so wird vermutet, später von Pharao Tutanchamun genutzt. Auch König Eje, der nach Tutanchamuns Tod dessen Witwe heiratete, soll in Aton residiert haben. Forscher gehen davon aus, dass die Stadt bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. bewohnt war. Dann wurde sie endgültig aufgegeben.
So viele Töpferwaren wie in Aton wurden laut Archäologen noch nirgendwo sonst in Ägypten gefunden. Die Artefakte geben einen wichtigen Einblick in das Leben der damaligen Zeit im alten Ägypten.
Bisher haben die Archäologen allerdings nur an der Oberfläche von dem gekratzt, was es zu entdecken gibt. Weitere Ausgrabungen sind im Gange und das Team geht laut Leiter Hawass davon aus, „unberührte Gräber voller Schätze“ freizulegen. Doch schon jetzt sind die Funde in der lange vergessenen Stadt am Nil außerordentlich.
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